Wissenschaft


----- Gilcole Críonán ad Dunwill - Das Volk der Rhwn Cor'rak -----


7. Bräuche und Religion:


»Die Federn in seinen langen dunklen Haaren fingen den Wind, als sein wahnwitziger Tanz immer schneller, immer brutaler wurde; schließlich riß er die Arme empor und schrie im Rausch des Todes. Es war der Schrei eines Tieres, das der tödliche Pfeil durchbohrt, und der Wahnsinn in seinen Augen wurde Angst und Schmerz und Verzweiflung, und er sank auf die Knie und beugte sich vornüber, bis seine Stirn den Boden berührte.«
(R. C. de Clamhán, "Day of Dark")

Die traditionelle Religion der Rhwn Cor’rak besteht in der Verehrung der Elementargötter Wind, Feuer, Erde und Wasser; Wind und Erde werden als weibliche, Feuer und Wasser als männliche Gottheiten dargestellt.

   Für jede Gottheit gibt es unter den Rhwn Cor’rak einen Vertreter, den sogenannten kor’rwn tian, der Zeremonien und Opferungen leitet und in meditativem Zustand angeblich Befehle seines Gottes empfängt. Des weiteren gibt es für jedes Element einen jungen Mann, den lÿ’cor’rak, meist den Sohn des göttlichen Vertreters, dessen Aufgabe darin besteht, sich zu gegebener Zeit für das Wohl der Rhwn Cor’rak zu opfern oder opfern zu lassen. Der Legende zufolge tritt er vor seine Gottheit (in der Regel vom kor’rwn tian dargestellt) und bittet um den Tod aus ihrer Hand. Wird ihm dies verwehrt, so bedeutet das, daß der Gott die Rhwn Cor’rak mit Verachtung straft; der lÿ’cor’rak ist dann gezwungen, Selbstmord zu begehen.

   Am Ort seines Todes folgt eine Elementarbestattung, bei dem der Clan des kor’rwn tian und des lÿ’cor’rak anwesend ist. Bei dieser Art der Bestattung wird der Körper des Toten zerteilt und den vier Elementen Luft, Feuer, Wasser und Erde übergeben. Das für den Menschen unverständliche Luftbegräbnis besteht hierbei im Verfüttern der Leichenteile an fleisch- und aasfressende Vögel, inbesondere an den Carracán, das heilige Tier der Rhwn Cor’rak.

   Des weiteren sind den Elementen geheiligte Waffen bzw. Rüstungen zugeordnet. Der Bogen ist ein Symbol des Windes, das Schwert ein Symbol des Feuers; die Rüstung (Leder) steht für das Wasser, und ein Helm dient als Zeichen für die Erde. Bei vielen der rituellen Handlungen der Rhwn Cor’rak stehen diese Waffen bzw. Rüstungen im Mittelpunkt.

   Unklar ist, inwieweit die Rhwn Cor’rak mit den Elementartempeln in Verbindung gebracht werden können. Die herrschende Meinung geht von frühen Menschen als den Erbauern der Tempel aus, die die Elementarreligion von den Rhwn Cor’rak übernahmen.

   Es gibt einige auffallende Bräuche, die sich nicht direkt aus der Verehrung der Elemente ableiten lassen. So ist den Rhwn Cor’rak der Selbstmord strikt verboten (mit Ausnahme des lÿ’cor’rak bei oben erwähnter Zeremonie); sie werden in einer noch unerforschten Weise derart konditioniert, daß ihnen ein Selbstmord praktisch nicht möglich ist. Sie können sich zwar selbst verletzen, doch ist es ihnen scheinbar unmöglich, sich eine tödliche Verletzung beizubringen. In "Day of Dark" wird dieser Umstand erstmals erwähnt: "Denn von eigener Hand können sie nicht sterben – sie können es einfach nicht. Sie sterben dann einfach nicht."

   Dennoch gab es oftmals Rhwn Cor’rak, die gerade dieses versuchten; ob aus religiöser Überzeugung, ist noch ungeklärt, es ist aber denkbar, daß in früheren Zeiten einzelne Rhwn Cor’rak sich den Göttern opfern wollten, wobei die gelungene Selbsttötung als Annahme des Opfers gilt; dieses Ritual wurde nach dieser Theorie später durch das Opfer des lÿ’cor’rak ersetzt.

   Bei Mißlingen eines solchen Versuches waren die Rhwn Cor’rak harten Strafen ausgesetzt. So berichtet R. C. de Clamhán von einem jungen Rhwn Cor’rak, der einen rituellen Tanz in einem Kreis von Windharfen vollführt, wobei er den metallenen Stäben Töne entlockt, die ihn erst in den Wahnsinn und dann in den Tod treiben. In anderen Fällen wurden die Rhwn Cor’rak von ihren Clans ausgestoßen und mit Flüchen belastet, die ihr weiteres Leben zur Qual werden ließen.

   Ein weiterer merkwürdiger Brauch besteht darin, vor einer Hochzeit Braut und Bräutigam für vier Tage und Nächte an den Stamm eines großen Baumes (oder im Hochgebirge an eine eigens dafür hergestellte Säule) zu binden, und zwar an gegenüberliegenden Seiten, mit dem Rücken zum Stamm und mit ausgestreckten Armen. Dann ließ man sie allein und überließ sie dem Wohlwollen der Natur, ohne Nahrung und schutzlos der Kälte der Nacht und den wilden Tieren ausgesetzt. Erst nach Ablauf dieser Zeit durfte eine Hochzeitszeremonie durchgeführt werden. Wenn einer der beiden Partner diese Tortur nicht überlebte, so hieß es, er sei einer Hochzeit mit dem anderen nicht würdig gewesen, und der Clan des unwürdigen Partners hatte dem anderen Clan eine Entschädigung zu zahlen. Verstarben beide Partner, so sah man dies als ein göttliches Zeichen, daß beide zu höherem bestimmt waren, und feierte statt der Hochzeit ein rauschendes Fest zu Ehren der Götter.

   Es ist nicht bekannt, wie oft solches vorkam; jedoch steht fest, daß die Rhwn Cor’rak solche Strapazen wesentlich besser verkraften als Menschen.


----- Kapitel 8: Literaturhinweise



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