----- Gilcole Críonán ad Dunwill - Das Volk der Rhwn Cor'rak -----
6. Leben und Gesellschaft:
»Man sagt ihnen nach, sie seien grausam, nur weil sie das Feuer fürchten und ihr Fleisch roh verzehren. Kälte dagegen macht ihnen nichts; selbst im ewigen Eis der höchsten Gipfel fühlen sie sich noch wohl.«
(R. C. de Clamhán, "Day of Dark")
Die Rhwn Cor’rak sind in patrilinearen Großfamilien organisiert, die derzeit jeweils zwischen zehn und dreißig Familienmitglieder umfassen; es gibt zur Zeit elf solcher Clans. Die Mitglieder eines Clans dürfen nicht innerhalb des eigenen Clans heiraten.
Einige dieser Clans haben feste Wohnhäuser in Gwynt-hall, der einzigen Siedlung der Rhwn Cor’rak; andere ziehen frei durch die Gebirge und übernachten in Zelten aus Tierhäuten, in Höhlen oder unter freiem Himmel.
Die Nahrung der Rhwn Cor’rak besteht in der Hauptsache aus rohem Fleisch (zum größten Teil Bergziegen und diverse Nagetiere), Beeren, Wurzeln und Pilzen. Das karge Gebirge gibt nicht viel her; und da sie das Feuer als Gottheit verehren, bereiten sie ihre Nahrung bevorzugt roh zu. Dies hat erheblich dazu beigetragen, daß die Menschen die Lebensweise der Rhwn Cor’rak als primitiv und grausam eingestuft haben.
Innerhalb der Clans gibt es eine festgelegte Rangfolge, die zum einen durch Alter und Geschlecht bestimmt ist – Männer stehen im allgemeinen höher als Frauen, und die Älteren vor den jüngeren, bisweilen aber auch durch besondere Taten bekannte Rhwn Cor’rak hervorhebt. Der Rang eines Rhwn Cor’rak wird durch die Anzahl der Federn des Carracán in seinem Besitz bezeichnet. Der Carracán, auch Goldadler, ist das heilige Tier der Rhwn Cor’rak; seine Federn ihr wertvollster Besitz. Wer einen Carracán tötet, wird mit dem Tode bestraft; wer die Feder eines Carracán findet, wird als Held gefeiert.
Die Jäger eines Clans ziehen grundsätzlich alleine los; es gilt als feige und verwerflich, zu mehreren auf die Jagd zu gehen. Auch die Jagd hat bei den Rhwn Cor’rak rituellen Charakter, was sich duch farblich auffallende Körperbemalung zeigt, die bei der Jagd eher von Nachteil sein dürfte, da sie den sich anpirschenden Jäger schnell verrät. Die Rhwn Cor’rak jagen in der Regel mit Pfeil und Bogen; zusätzliches Aufstellen von Fallen widerspricht dem Ritual und wird nur in Zeiten von Nahrungsknappheit durchgeführt.
Die Natur- und Religionsverbundenheit spiegelt sich oft auch in der Namensgebung der Rhwn Cor’rak wider. Typische Namen der Rhwn Cor’rak sind zweigeteilt und haben eine Bedeutung, wie z.B. "Sanft wie der Mond" oder "Krieger der Nacht". Nachnamen gibt es nicht; will man die Familienzugehörigkeit klarstellen, setzt man den Namen des Vaters hinzu. In den letzten Jahrhunderten sind die Rhwn Cor’rak dazu übergegangen, ihren Kindern zusätzlich noch Namen zu geben, die den üblichen Vornamen für Menschen entsprechen. Diese werden bei der Geburt vergeben, während erstere oftmals erst vergeben wurden, wenn der junge Rhwn Cor’rak ein bestimmtes Alter erreicht hatte, an dem man den Charakter erkennen konnte (in der Regel zehn bis zwölf Jahre), so daß die Namen passend gewählt werden konnten.
Bemerkenswert ist außerdem noch das metaphysische Objektverständnis der Rhwn Cor’rak. Sie betrachten jeden Gegenstand ihrer Welt als in vierfacher Ausführung vorhanden: einmal als greifbarer Gegenstand in der Welt der Menschen, was sich mit unserem Objektverständnis deckt; dann als Gegenstand in der Welt der Götter, der in religiösen Zeremonien durchaus greifbar und sichtbar dargestellt werden kann; ferner als nicht greifbarer Gegenstand in der Welt der Träume, und viertens als Gegenstand, der nur in der Vorstellung existiert, quasi als abstrakter Begriff.