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Literatur

Luitwin Rémý

Am frühen Morgen

Am frühen Morgen eil ich durch die Straßen,
am frühen Morgen ist der Himmel grau.
Die Stille frißt sich durch die leeren Gassen,
Ich kann Gedanken nicht noch Worte fassen,
und auf den Wiesen sammelt sich der Tau.

Von Sonne unbeleckt, in kühlen Winden
lauf ich durch Städte, eile immerfort.
Nur fort von all den Ängsten, die mich binden,
als könnt ich auf der Flucht die Ruhe finden!
Die Morgendämmerung – kein Friedensort.

Ach graue Welt! Ach Dämmerung! Ach Leben!
Bist du nicht Ende einer langen Nacht?
Kannst du nicht endlich mir die Ruhe geben?
Muß ich denn weiterhin nach Dunkel streben,
Wenn mich das Dunkel doch nie glücklich macht?

Durch Straßen eile ich am frühen Morgen,
und langsam lichtet sich des Himmels Grau.
Vielleicht ist doch nicht alles Leben Sorge,
fühl ich mich endlich auch des Tags geborgen ...
Und auf den Wiesen trocknet schon der Tau.

----- Übersetzung: A. Kuntze


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