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Literatur

Luitwin Rémý

Imagination

Es ist vor gar nicht langer Zeit geschehen,
da träumte mir ein sonderbarer Traum.
Ich sah, was niemand vor mir je gesehen,
vor meinen Augen starben Zeit und Raum.

Und vor mir stand ein Tor, das ich durchschwebte,
Dann schritt ich durch ein gänzlich fremdes Land.
Dann schien mir, daß ich hier seit Jahren lebte,
Denn nichts von all dem schien mir unbekannt.

Was immer ich auch sah, ich kannt' es wieder,
Und all das Staunen macht' mich müd und lahm.
So legt' ich endlich mich zum Schlafen nieder,
und träumte von der Welt, aus der ich kam.

Als ich erwachte, kam mir ein Gedanke:
Zwei Seiten hat die Welt, den Tag, die Nacht.
Und das Bewußtsein bildet unsre Schranke,
verhindert uns den Traum, wenn wir erwacht.

Vielleicht sind all die Träume, die wir sehen,
die Wahrheit einer andern, fernen Welt.
Und das, was wir als Wirklichkeit verstehen,
ist nur, was sich ein andrer vorgestellt.

Mir war bewußt, indes ich solches träumte,
daß in der Wirklichkeit derweil etwas geschah.
Und oftmals frag ich mich, was ich versäumte,
in jener Nacht, als ich die Sonne sah.

----- Übersetzung: A. Kuntze


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