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Literatur

Luitwin Rémý

Jahr und Tag

Dunkelheit. Der neue Tag
beginnt inmitten einer Nacht. Der Morgen
läßt alsbald neu erstrahlen, was die Nacht verborgen.
Nicht lange mehr - ein Augenblick, ein Flügelschlag.

Dämmerung. Das Morgenlicht
taucht das frühe Jahr in sanfte Farben.
Das alte Korn der längst verblich’nen Garben
treibt neues Grün, das durch die frische Erde bricht.

Mittag. Der hohe Stand
der Sonne läßt die Schatten spärlich scheinen.
Was Muße hat, sonnt träge sich auf warmen Steinen.
Und flammend zieht der Sommer durch das Land.

Abend. Ein erster Stern
strahlt hell auf’s Ernteland hernieder.
Strohfeuer brennen auf den Äckern. Lieder
von später Wärme am Kamin erklingen fern.

Nacht. In Dunkelheit
fällt kalter Schnee auf karge Erde,
daß unter seiner Decke neues Leben werde,
ein neuer Morgen bricht -- der Lauf der Zeit.

----- Übersetzung: E. Paiste


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