Bühnenaufbau wie zuvor. Es ist wiederum die folgende Nacht. Jason sitzt noch immer am Tisch, die Hände ineinander verschränkt, die Arme vor sich auf dem Tisch, den Kopf gesenkt. Der Leuchtturmwärter steht hinter ihm, an die Tür gelehnt. Einige Minuten herrscht Schweigen. Jason sitzt reglos. Der Leuchtturmwärter macht mitunter eine unruhige Bewegung, die Jason erschreckt zusammenfahren läßt. Dann stehen bzw. sitzen sie wieder wie zuvor, völlig reglos. Nach einiger Zeit erst tritt der Leuchtturmwärter einen Schritt von der Tür weg, als wolle er an den Tisch herantreten. Er überlegt es sich jedoch anders und hält inne.
LEUCHTTURMW.: Ich werde noch einmal nach dem Licht sehen.
Er verläßt den Raum; deutlich hörbar wird die Tür abgeschlossen. Jason bleibt allein zurück. Erst nachdem der Leuchtturmwärter schon einige Zeit weg ist, wagt Jason, den Kopf zu heben. Er starrt zunächst leer Richtung Publikum, wendet sich dann abrupt um zur Tür, um so wieder für einige Augenblicke reglos zu verharren. Dann nimmt er wieder die Position ein, die er zu Anfang der Szene hatte. Etwa eine Minute lang geschieht gar nichts. Dann wird Jason merklich unruhig, blickt immer wieder zur Tür oder zum Publikum, macht ungeduldige Handbewegungen, trommelt vielleicht mit den Fingern auf der Tischplatte oder spielt mit der Schreibfeder. Je mehr Zeit vergeht, ohne daß der Leuchtturmwärter zurückkehrt, desto unruhiger wird Jason. Plötzlich hält er inne, als habe er ein Geräusch gehört. Wenig später springt er auf und zur Tür, versucht, diese zu öffnen, muß aber feststellen, daß sie verschlossen ist. Es nicht wahrhaben wollend zerrt er mit aller Gewalt am Türgriff, schlägt mit den Fäusten gegen die Tür, gibt aber irgendwann auf und läßt sich nahe der Tür am Boden nieder. Einige Minuten bleibt er dann dort sitzen, zitternd, den Kopf unter den Armen verborgen. Schließlich steht Jason auf und kehrt mit schnellen Schritten zurück an den Tisch, nimmt wieder auf dem Stuhl Platz. Hektisch greift er nach dem wohl zuletzt beschriebenen Blatt Papier und überfliegt den Text, liest ihn dann laut vor.
JASON: "Ohne das Leuchtfeuer steuerte er das kleine Schiff hinaus auf die offene See, in der irrigen Annahme, zum Hafen zurückzukehren. Das Fischerboot hielt den Gewalten des Meeres nicht lange stand. Ein paar Stunden später, der Sturm hatte sich längst gelegt, die dunklen Wolken hatten sich verzogen, und die Sonne stand am klaren Himmel und strahlte auf die spiegelglatte See, ein paar Stunden später nur zogen sie seinen Leichnam aus dem Wasser, wenige Schritt nur entfernt von dem Leuchtturm. Ich hörte sie sprechen, mit gedämpfter Stimme, 'er muß versucht haben, dem Sturm zu entkommen, er hat es nicht geschafft', und, 'er muß doch das Leuchtfeuer gesehen haben, er war so nah, es war so denkbar knapp, warum hat er das Leuchtfeuer nicht gesehen?'. Sie bemerken mich erst, als ich zwischen sie trete, als ich niederknie und dem toten jungen Mann die nassen Haare aus dem Gesicht streiche, als ich mit ruhiger, dunkler Stimme ihre Fragen beantworte, die ausgesprochene und die unausgesprochene. 'Das Leuchtfeuer brannte nicht. Er ist mein Sohn.'"
Still bleibt er eine Zeitlang sitzen, das Papier in den Händen. Dann beginnt er, mit langsamen Bewegungen daraus ein Schiff zu falten. Vorhang.