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Aus dem Narrenzyklus:

Die Narrenzunft

Wie schon Lúry der erste Meister der Narren war und Lyeljan sein erster Schüler, so ist bis heute der Beruf des Narren geblieben, wenngleich er sich gewandelt hat vom Berater des Königs bis hin zum freien Musikanten und Geschichtenerzähler.
   Dieses ist der Eid, den ein Narr leisten muß, bevor er die Schellen der Weisheit tragen darf:

   »Die Wahrheit will ich sprechen von nun an, die Macht der Lüge niemals mehr nutzen. Im Licht will ich sprechen von nun an, den Schutz der Dunkelheit niemals mehr suchen. Die Nacht will ich zu erhellen suchen, die Schatten finden, doch der Wahrheit und dem Lichte dienen und sie in Ehren halten.

   Musik und Tanz des Narren will ich erlernen im Kampf gegen die Fesseln der Finsternis; sie allein sollen meine Waffen sein gegen die dunklen Mächte. Mit Liedern will ich sie vertreiben und das Licht besingen, und mein Leben sei gerichtet auf das Ziel, die Dunkelheit zu brechen. So will mit drei Kugeln ich den Tanz des Narren tanzen, und sie sollen brechen, Nacht und Drachen und Schweigen; die vierte Kugel aber, das Licht, will ich schützen.

   Als Kämpfer soll ich nicht dienen, so es nicht ein Kampf um die Freiheit ist. So soll ich Waffen nicht andere tragen als das Rapier der edlen Männer, und Rüstung nicht andere als die Kleidung eines Narren. Das Ansehen der Narren soll Schutz genug mir sein, daß ich vor der Nacht mich nicht fürchten muß.

   Meine Pflicht sei es zu helfen, wann immer meine Hilfe vonnöten ist. Nicht achtlos vorübergehen darf ich an Wesen in Not, ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Rasse. Ungeachtet auch ihrer Taten, muß ich doch ihnen helfen, denn Großmut soll mein Meister sein und Vergebung mein Beispiel.

   Verboten sei mir zu töten, so es nicht in Not geschieht oder um Leiden zu ersparen. Auch will ich niemandem handgemein werden noch ihn für meinen Vorteil peinigen oder ihm die innere Ruhe nehmen. Versprechen will ich, desgleichen von anderen nicht zu dulden und den mit meinem Leben zu schützen, der Folter erleiden soll, gleich seiner Taten.

   Freiheit will ich finden selbst in den Ketten der Tyrannen, frei sein im Geiste, welche Strafe immer sie mir auferlegen. Nicht klagen will ich, was immer mein Herz zerfrißt, sondern allein Glück und Zuversicht finden in der Freiheit der Narren. Doch will ich Hilfe annehmen, wenn sie aus Freundschaft mir geboten wird, denn mein Leben ist verschrieben dem Lichte und soll nicht in Dunkelheit untergehen.

   Freund will ich sein jedem, selbst meinen Feinden. Doch will ich einsam bleiben im Herzen, der Liebe selbst entsagen, daß nicht die Zuneigung zu einem mich blind macht gegen die Nöte der anderen. Denn unterscheiden will ich nicht zwischen den Menschen, sollen Könige mir nicht edler sein als Mörder.

   Nicht blenden lassen will ich mich von dem Glanz des Geldes, noch will ich handeln für Ruhm und Ehre. Allein das Wissen um Wahrheit sei mein Antrieb, und die Freiheit des Narren sei mein Lohn. Was immer ich vollführe, soll geschehen für das Licht, und tun will ich es nur, wenn mein Gewissen es mir gebietet.

   Als Narr will ich die Freiheit anderer Narren achten, ihnen Raum gewähren und mich nicht niederlassen, wo es schon Narren hat. Denn ihre Lieder will ich nicht übertönen und ihre Geschichten nicht vorwegnehmen, daß ich sie des Lebens nicht beraube. So will ich leben von dem, was man mir zum Geschenk macht, und es nur annehmen entgegen der Lieder und Geschichten, die ich zu bieten habe.

   Einen Beruf außer dem des Narren will ich nicht erlernen, denn als Narr bin ich berufen, und Narr werde ich bleiben. So kann ich der Zunft der Narren von nun an niemals mehr den Rücken kehren, und ich sei gehalten, stets ihre Regeln zu befolgen. Blindheit aber soll mich schlagen, wenn ich es wage, ihre Regeln zu brechen; blind sein vor dem Lichte will ich und schutzlos sein im Banne der Nacht.

   Die Schellen, die ich nun erhalte, will ich tragen als Zeichen der Weisheit. Selten willl ich mich von manchen, niemals von allen trennen: denn jeder soll einen Narren erkennen, wenn er einen sieht. Und Wahrheit will ich sprechen, wann immer ich weiß, was Wahrheit ist, denn als Narr bin ich Diener im Lichte.«

   So also schwören die Narren, und sind Diener des Lichtes von da an.




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