Vor vielen Jahren lebte in der Gegend der Sternenstadt ein junger Mann namens Danallya, der war der Sohn eines Grafen und bekannt für seinen Edelmut. Manchem schon hatte er selbstlos und großherzig geholfen, doch als er selbst einmal in Bedrängnis geriet, fand sich da niemand, der Gleiches an ihm tun mochte.
Es geschah nämlich, daß Danallya eines Pferdediebstahls bezichtigt wurde, den er gar nicht begangen hatte. Ein anderer hatte das Pferd des Nachts aus den Stallungen eines bekannten Kaufmannes am Orte geführt, doch meinte der Stallbursche, ganz sicher den jungen Grafen erkannt zu haben. Zwar glaubte der alte Graf seinem einzigen Sohn, doch wußte der reiche Kaufmann wohl, das Volk auf seine Seite zu bringen: und so sah der Graf bald die ganze Stadt gegen sich. Bei Nacht und Nebel schickte er den jungen Danallya fort, daß er in der Fremde ein Handwerk lerne und als einfacher Mensch lebe, denn das war besser, als in der Heimat als Sohn eines Grafen gehängt zu werden. So floh Danallya aus der Sternenstadt, und in der Ferne lernte er den Beruf des Narren.
Ja, Danallya wurde ein Narr, er entsagte der Lüge und verschrieb sich der Freiheit. Denn so sollen die Narren sein, frei in all ihrem Tun und gebunden an die Wahrheit auf ewig. Und als Narr kehrte er zurück in die Sternenstadt, denn er hatte gehört, daß sein Vater im Sterben lag.
Doch die Wachen des Grafen wollten ihn nicht in die Burg lassen.
"Was will Er, Narr, auf der Burg des Grafen? Verschwinde Er, nichts hat Er hier verloren!"
"Wenn aber ich Euch sage", sprach Danallya mit ruhiger Stimme, "daß der Graf mein Vater ist und ich sein Sohn?"
So hätten sie ihm eigentlich glauben müssen, wußten sie doch, daß ein Narr nicht lügen darf. Aber nein, mochten sie sich wundern, daß er log, doch sie wußten es besser.
"Der Graf hat keinen Sohn", erklärten sie, "er hatte wohl einen, doch der wurde vor neun Jahren als Dieb gehängt, droben auf dem Rabenberg; wir haben es selbst gesehen. Fort nun, Narr, oder will Er eingesperrt werden?"
"Nein, ich geh' fort", erwiderte Danallya betrübt, "doch ich komm' wieder, wenn ich Euch beweisen kann, was ich bin."
Da ließen sie ihn gehen und vergaßen ihn bald, und dem Grafen erzählten sie nichts davon, denn sie wollten ihn in seinen letzten Stunden nicht beunruhigen.
Danallya aber verließ abermals die Stadt, und traurig ließ er sich auf einem Stein am Waldrand nieder, zog seine Flöte hervor und begann zu spielen. Wie er so spielte, kamen die Tiere des Waldes und ließen sich um ihn herum nieder, und schließlich ließ der Narr die Flöte sinken.
"Ach, was soll ich nur tun", sagte er. "So liegt mein armer Vater im Sterben, und ich kann nicht einmal zu ihm. Wissen möcht' ich, wen sie damals an meiner Statt gehängt haben. Und herausfinden auch, wer nun das Pferd stahl, da ich es doch nicht war! Aber wie, wie nur soll ich das machen; und wie sonst ihnen zeigen, daß ich Danallya bin, der Sohn des Grafen!"
Da sprach der schlaue Fuchs, der seine Worte wohl gehört hatte:
"Nun, Danallya, ich weiß schon, wer von dem Pferdedieb weiß, und auch, wie du herausfindest, wen sie auf dem Rabenberg hängten. Wenn auch du mir einen Gefallen tust, will ich es dir verraten."
"Das will ich gern", erwiderte Danallya. "Sag mir nur, was ich für dich tun kann, und so ich es vermag, will ich es tun."
"Es gibt etwas, was ich gerne hätte", sagte also der listige Fuchs, "das sind ein paar Beeren des Goldstrauches. Die sollen eine rechte Leckerei sein, doch weiß ich selbst nicht, wo ich sie finden kann."
"Dann will ich sehen, was ich tun kann", entgegnete der Narr.
So machte Danallya sich auf in die Welt, die Beeren des Goldstrauches zu finden. Unterwegs spielte er die Flöte, doch da er selbst traurig war, vermochte er ihr kein fröhliches Lied zu entlocken. Dabei achtete er auf alles, was auf Feld und Wiese wuchs, aber goldene Sträucher sah er nicht, nur silberne manchmal zwischen all den grünen.
Am Wegrand schließlich traf er einen alten Schneck, der saß auf einem rotschimmernden Stein.
"Sei gegrüßt, Meister Schneck", begrüßte Danallya ihn, "sag, was schimmert dein Stein so rot?"
"Ach", jammerte der Schneck, "man hat mich einst verzaubert, und nun schimmert der Stein so rot, weil ich nicht herunter kann von ihm; er hält mich fest und ich kann nicht fort, die Blätter des Liekenkrauts zu holen, die mich erlösen könnten."
Der Narr aber hatte Mitleid mit dem Schneck, und obgleich er nicht viel Zeit hatte, versprach er, ihm zu helfen.
"Sag an, Meister Schneck, weißt du denn, wo ich das Kräutlein finden kann?" fragte er dann.
Das wußte der Schneck wohl, und er beschrieb Danallya den Weg zu einer wunderschönen Waldlichtung. Dort wuchs das Liekenkraut über und über, und rasch pflückte der Narr eine Handvoll Blätter davon. Doch goldene Sträucher wuchsen dort nicht, nur silberne manchmal zwischen all den grünen.
Mit den Blättern kehrte er zurück zu dem Schneck und erlöste ihn alsbald von dem Stein.
"So wollte ich dir zum Dank gern helfen, wenn ich kann, junger Graf", sagte der Schneck, der sehr wohl wußte, daß der Narr, den er sah, nicht nur ein Narr war.
"Wenn du es weißt", so bat der Narr, "dann sage mir, wo ich den Goldstrauch finden kann."
"Das weiß ich nicht", erklärte der Schneck, "doch frage die Lerche, sie kennt Wiesen und Felder; vielleicht hat sie einmal einen goldenen Strauch gesehen."
Also machte Danallya sich auf die Suche nach der Lerche, und als er sich am Feldrand niederließ und auf seiner Flöte spielte, kam sie herbeigeflogen.
"Sei gegrüßt, holde Sängerin", begrüßte er sie, "sag an, hast du einmal einen goldenen Strauch gesehen? Ich bin nämlich auf der Suche nach den Beeren des Goldstrauches, die will ich dem Fuchse geben, daß er mir sagt, wer den Pferdedieb kennt, so daß ich meine Unschuld beweisen und meinen alten Vater noch einmal sehen kann."
"Nie sah ich einen goldenen Strauch, junger Graf", antwortete die Lerche, die sehr wohl wußte, daß der Narr, den sie sah, nicht nur ein Narr war. "Doch wenn du mir einen Gefallen tust, so will ich ausfliegen und danach Ausschau halten."
"Das will ich gern", erwiderte Danallya. "Sag mir nur, was ich für dich tun kann, und so ich es vermag, will ich es tun."
"Nun", sagte die Lerche, "seit einigen Tagen klingt meine Stimme nicht mehr so schön wie früher. Ich hörte wohl, ein Tee aus den Blättern des Liekenkrauts könnte mir helfen, doch weiß ich nicht, wo das zu finden ist; es ist so klein und unscheinbar, daß ich es aus der Luft nicht erkennen kann."
Aber der Narr wußte es ja zu finden, und obwohl es ein recht weiter Weg war zurück zu der Lichtung, versprach er der Lerche, es für sie zu holen.
So trafen sie sich nach einer ganzen Weile am Feldrand wieder.
"Ich habe das Liekenkraut für dich gefunden", sagte der Narr.
"So habe ich für dich auf allen Feldern und Wiesen nach einem goldenen Strauch gesucht", erwiderte die Lerche, "aber, Danallya, ich sah nur silberne manchmal zwischen all den grünen."
"Ach, was soll ich nun tun", klagte der Narr, "in den Wäldern wächst der Goldstrauch nicht, und auch auf den Wiesen und Feldern ist er wohl nicht zu finden. Wo soll ich noch suchen?"
"Frag einmal die Möwe", riet ihm die Lerche. "So wie ich die Felder kenne, kennt sie die Meere. Vielleicht wächst der Goldstrauch dort."
Also machte Danallya sich auf die Suche nach der Möwe, und als er sich am Strand niederließ und auf seiner Flöte spielte, kam sie herbeigeflogen.
"Sei gegrüßt, kühne Seglerin", begrüßte er sie, "sag an, hast du einmal einen goldenen Strauch gesehen? Ich bin nämlich auf der Suche nach den Beeren des Goldstrauches, die will ich dem Fuchse geben, daß er mir sagt, wer den Pferdedieb kennt, so daß ich meine Unschuld beweisen und meinen alten Vater noch einmal sehen kann."
"Nie sah ich einen goldenen Strauch, junger Graf", antwortete die Möwe, die sehr wohl wußte, daß der Narr, den sie sah, nicht nur ein Narr war. "Doch wenn du mir einen Gefallen tust, so will ich ausfliegen und danach Ausschau halten."
"Das will ich gern", erwiderte Danallya. "Sag mir nur, was ich für dich tun kann, und so ich es vermag, will ich es tun."
"Nun", sagte die Möwe, "in der letzten Zeit fehlte mir oft die Kraft, lange Strecken zu fliegen. Man sagt aber, ein Sud aus den Blättern des Liekenkrautes könnte mir helfen, doch weiß ich nicht, wo das zu finden ist; es ist so klein und unscheinbar, daß ich es aus der Luft nicht erkennen kann."
Aber der Narr kannte ja die Stelle, wo es zu finden war; und obwohl es ein sehr weiter Weg war zurück zu der Lichtung, versprach er der Möwe, es zu holen.
So trafen sie sich nach einer ganzen Weile am Strand wieder.
"Ich habe das Liekenkraut für dich gefunden", sagte der Narr.
"So habe ich für dich auf allen Inseln der Meere nach einem goldenen Strauch gesucht", erwiderte die Möwe, "aber, Danallya, ich sah nur silberne manchmal zwischen all den grünen."
"Ach, was soll ich nun tun", klagte der Narr, "in den Wäldern wächst der Goldstrauch nicht, und auch auf den Wiesen und Feldern nicht, und auch auf den Meeren ist er wohl nicht zu finden. Wo soll ich noch suchen?"
"Frag den weisen Goldadler, der auf der Spitze des höchsten Berges wohnt", riet die Möwe. "Wenn einer weiß, wo der Goldstrauch zu finden ist, dann er, und er wird es dir gewiß sagen; denn ich wüßte neben dir keinen, der es so sehr verdiente."
Also machte Danallya sich auf die Suche nach dem Goldadler, und als er den höchsten Berg bestiegen hatte und auf seiner Flöte spielte, kam er herbeigeflogen.
"Sei gegrüßt, weiser Adler", begrüßte er ihn, "sag an, hast du einmal einen goldenen Strauch gesehen? Ich bin nämlich auf der Suche nach den Beeren des Goldstrauches, die will ich dem Fuchse geben, daß er mir sagt, wer den Pferdedieb kennt, so daß ich meine Unschuld beweisen und meinen alten Vater noch einmal sehen kann."
"Nun, junger Graf", erwiderte der Goldadler, denn er wußte sehr wohl, daß der Narr, den er sah, nicht nur ein Narr war, "ich weiß, wo die Goldsträucher wachsen, und ich will es dir sagen; doch eine Aufgabe mußt du noch erfüllen, denn du weißt, nichts ist umsonst außer dem Tod."
"Das weiß ich wohl", entgegnete Danallya, "so sage mir, was ich tun soll, und so ich kann, will ich es tun."
Der Goldadler neigte den Kopf, als wolle er überlegen; schließlich aber sah er den Narren wieder an und sprach:
"Drei Ringe gibt es, die einst verlorengingen: einer trägt einen blauen Stein, einer einen grünen und einer einen roten. Bringst du mir alle drei, will ich dir sagen, wie die Goldsträucher zu finden sind."
Also machte der Narr sich auf den Weg, die drei Ringe zu suchen, doch er wußte nicht, wie er es anstellen wollte. So kehrte er zurück zum Strand und traf dort die Möwe.
"Ach, Möwe", sagte er betrübt, "nun soll ich drei verlorene Ringe finden, und weiß doch nicht, wo ich suchen soll."
"Nun, Danallya", entgegnete die Möwe, "du hast mir geholfen, so will ich dir jetzt helfen. Auf dem Grunde des Meeres liegt ein Ring mit einem blauen Stein, den will ich dir holen. Schließe du nur die Augen und spiele die Flöte, noch bevor dein Lied vorüber ist, will den Ring ich gebracht haben."
Und der Narr tat, wie die Möwe sagte, und als die Flöte verstummte, lag vor ihm im Sand der Ring mit dem blauen Stein.
Aber es fehlten ihm noch zwei Ringe, und so machte er sich auf den Weg, diese zu suchen. So kehrte er zurück zum Feldrand und traf dort die Lerche.
"Ach, Lerche", sagte er betrübt, "nun soll ich noch zwei verlorene Ringe finden, und weiß doch nicht, wo ich suchen soll."
"Nun, Danallya", entgegnete die Lerche, "du hast mir geholfen, so will ich dir jetzt helfen. Inmitten aller Wiesen der Welt liegt ein Ring mit einem grünen Stein, den will ich dir holen. Schließe du nur die Augen und spiele die Flöte, noch bevor dein Lied vorüber ist, will den Ring ich gebracht haben."
Und der Narr tat, wie die Lerche sagte, und als die Flöte verstummte, lag vor ihm auf der Erde der Ring mit dem grünen Stein.
Aber es fehlte ihm noch ein Ring, und so machte er sich auf den Weg, diesen zu suchen. So kehrte er zurück zu dem roten Stein und traf dort den Schneck.
"Ach, Meister Schneck", sagte er betrübt, "nun soll ich noch einen verlorenen Ring finden, und weiß doch nicht, wo ich suchen soll."
"Nun, Danallya", entgegnete der Schneck, "du hast mir geholfen, so will ich dir jetzt helfen. Dieser rotschimmernde Fels birgt einen Ring mit einem roten Stein, den will ich dir holen. Schließe du nur die Augen und spiele die Flöte, noch bevor dein Lied vorüber ist, will den Ring ich gebracht haben."
Und der Narr tat, wie der Schneck sagte, und als die Flöte verstummte, lag vor ihm im Gras der Ring mit dem grünen Stein.
So kehrte der Narr zurück zum weisen Goldadler, der auf dem Gipfel des höchsten Berges wohnte.
"Hier bringe ich, was du verlangtest, weiser Adler", sagte Danallya und schaute besorgt in den Himmel, wo die Sonne bald schon unterging.
"Nun", sprach der Adler, "so will ich dir sagen, wie du den Goldstrauch finden kannst. Es mag einfacher sein, als du denkst. – Hör zu, Narr, selten ist etwas so, wie es auf den ersten Blick scheint. So wie du, ein Schellennarr, der Sohn des Grafen bist, so wie das unscheinbare Liekenkräutlein in Wahrheit große Kräfte birgt, so mag wohl ein Strauch mit silbernen Blättern in Wahrheit ein Goldstrauch sein. Wie so vieles ist er nicht schwer zu finden, nur schwer zu erkennen, denn nichts an ihm ist golden."
Hastig bedankte sich der Narr und machte sich auf den Weg zurück, jetzt, da er wußte, den Goldstrauch zu finden. Auf der Lichtung des Liekenkrauts hielt er an und machte eine letzte Rast, und das Lied, das er nun auf seiner Flöte spielte, klang längst nicht mehr traurig. Die Möwe, die Lerche und der Schneck kamen herbei, als sie seine Melodie hörten, und halfen ihm, die Beeren der silbernen Goldsträucher zu pflücken. Mit einer Handvoll Beeren kehrte Danallya dann schließlich zum Wald nahe der Sternenstadt zurück.
"Meister Fuchs", rief er, "ich habe hier etwas für dich!"
Und sogleich lief der Fuchs herbei und labte sich an den köstlichen Beeren.
"Nun will ich dir wohl sagen, was ich weiß", sprach der Fuchs, "denn, junger Graf, du hast gelernt, daß das, was man sieht, nicht immer die Wahrheit ist. Also sage ich dir, die Schwalbe, hat gesehen, wer einst des Nachts das Pferd des Kaufmanns stahl, und der Rabe hat gesehen, wen man dafür auf dem Rabenberg hängte. Viel Glück wünsche ich dir, Graf des Sternenlands, hoffentlich kommst du nicht zu spät, es wäre nicht recht; hast du doch so viel Zeit darauf verbraucht, anderen in ihrer Not zu helfen."
So kehrte Danallya zurück in die Sternenstadt, ließ sich dort auf dem Marktplatz nieder und spielte ein Lied, so daß alsbald die Schwalbe und der Rabe dahergeflogen kamen.
"Seid gegrüßt, teure Schwalbe und Meister Rabe", begrüßte er sie. "Man sagte mir, Schwalbe, ihr kenntet den Pferdedieb; und ihr, Meister Rabe, wüßtet, wen sie damals gehängt haben oben auf dem Rabenberg. Beides aber muß ich wissen, daß ich meine Unschuld beweisen und als der Sohn des Grafen meinen alten Vater noch einmal sehen kann."
"Nun, Danallya", sprach der Rabe, "dein Vater schickte dich vor neun Jahren fort von hier, an deiner Statt aber ließ er einen jungen Burschen hängen, der dir recht ähnlich sah; daß das Volk glaubte, du seist tot, und man nicht nach dir suchte."
"Das ist nicht recht", sagte Danallya, "so hat ein anderer Unschuldiger sterben müssen, wo ich Unschuldiger hätte hängen müssen, und nur, weil ich der Sohn eines Grafen bin! Nein, Sohn eines Grafen will ich nicht länger sein und kann es auch nicht; dieser da war wohl der Sohn des Grafen und ich bin nur ein einfacher Bursch', der nichts gelernt hat als das Narrenhandwerk!"
"Nun, Danallya", sprach die Schwalbe, "der Junge, der das Pferd gestohlen hat, hat das Tier am nächsten Tage verkauft auf dem Markt in der Nachbarstadt, um von dem Geld Kräuter zu kaufen für seine kranke Mutter; da hat er ja keinen anderen Ausweg mehr gewußt, hat ihm doch sonst niemand helfen wollen. Er ist ein Pferdebursche des Kaufmanns, wenn du ihn nun den Männern des Grafen nennst, sollst du sicher frei gehen."
"Aber nein", sagte Danallya, "wie könnte ich das? Hat er doch recht gehandelt in meinen Augen; und ist längst ein anderer dafür gestorben, das kann er nun auch nicht wieder gut machen! Nein, so will ich schweigen darüber; und frei gehen will ich als Narr und nicht als Sohn des Grafen. --- Und doch will ich ein weiteres Mal versuchen, in die Burg vorgelassen zu werden."
Also kehrte Danallya zurück zu der Burg seines Vaters, und dort standen die selbigen Wachsoldaten und versperrten ihm den Weg.
"Sieh an, der Narr!" sagte der eine. "Will Er noch immer behaupten, Er sei der Sohn des Grafen?"
"Oder will Er gar erzählen, Er sei der Graf vom Sternenland selbst?" spottete der zweite.
"Es ist gleich nun", bemerkte der dritte mit leiser Stimme, "Er kommt zu spät, der Graf ist nicht mehr unter uns."
Da warf der Narr wütend seine Flöte zu Boden, so daß sie zerbrach.
"Wie könnt ihr da noch spotten!" schrie er, "so ist der Graf vom Sternenland tot, und mit ihm sein Sohn, den ihr wohl vor neun Jahren unschuldig gerichtet habt! Nichts, niemand ist da mehr als ein armseliger Schellennarr!"
Und er riß sich die Schellen herab und warf sie gleichfalls zu Boden. Da endlich erkannten sie ihn, und auf den Knien baten sie ihn um Vergebung.
"Nun", sprach der Sohn des Grafen, ruhig alsdann, "so habt ihr jetzt wohl gelernt, daß das, was man sieht, nicht immer die Wahrheit ist, so wie ein Goldstrauch vielleicht keine goldenen Blätter trägt. Ich vergebe euch; denn ihr seid Narren und wißt es nicht besser. Und doch gehe ich fort, denn ich will der Sohn des Grafen nicht sein; an meiner Stelle mag der Stallbursch' des Kaufmanns der Graf vom Sternenlande werden. Ich, wie ihr seht, bin nur ein Narr und bleibe ein Narr; denn die Narrenfreiheit ist mehr als alles, das ich je besitzen könnte."
So sank er jetzt selbst vor den Wachen auf die Knie herab und las sorgfältig die Schellen vom Boden auf; auch die zerbrochene Flöte hob er auf, obschon sie wohl niemand reparieren mochte. Dann verließ er mit der Würde eines Narren die Sternenstadt und blickte nicht einmal mehr zurück.
Der neue Graf der Sternenlande aber wurde, wie Danallya gesagt hatte, der Stallbursche des Kaufmanns, der Pferdedieb, der doch ein guter Mensch war und die Sternenlande mit Anstand führte; denn nicht immer ist das, was man sieht, die Wahrheit: manchmal trägt auch ein Goldstrauch nur silberne Blätter.