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Kentay Point

(trad.)

Es war einst ein Tag (oder wird einmal sein?)
Da stand ich an der Küste und schaute aufs Meer hinaus,
Und wie ich da so stand, kam ein schwarzes Schiff vorbei,
Kein Segel gesetzt, und doch segelte es dort.
Ein seltsames Lied drang in meinen Verstand,
Geschichten aus längst vergangenen Zeiten.
Und mit seinem Lied trieb ich davon,
Nicht länger stand ich am Kentay Point.
In meinen Träumen stand ich als junger Mann,
Ein Ritter von hohem Stand, hübsch und bekannt,
Mein Mädchen nicht weniger als eine Prinzessin,
Ein Herz und eine Seele waren wir, bis zu jenem Tag.
An jenem Tag fühlte ich mich zum Meer hingezogen.
Ich lief zum Strand, und was sah ich dort?
Eine junge Frau stieg aus dem Wasser.
Ich hielt es für einen Traum am Kentay Point.
Wie gelähmt stand ich da, als sie auf den Strand trat.
Nie zuvor hatte ich solche Schönheit gesehen.
"Wo kommst du her?" fragte ich, doch sie brachte mich
Mit einem Kuß zum Schweigen, und ich fragte nicht mehr.
Wir lagen im Sand, und ich schwor ihr meine Liebe.
Mein Weib, meine Ehre, all das war vergessen.
In diesem Moment wußte ich, niemals würde ich zurückkehren,
Niemals verlassen das Mädchen vom Kentay Point.
Als hätten sie mich gehört, kamen schon die Soldaten,
Sie hatten alles gesehen. Eine Schande war ich,
Nicht länger ein Ritter, nicht einmal mehr ein Mann.
Das Mädchen war fort, ich allein trug die Schuld.
Ich stand am Wasser, aber sie hatte mich verlassen.
Mein Leben ruiniert, meine Liebe fort.
Ich schaute aufs Meer hinaus, und in der Ferne sah ich
Ein schwarzes Schiff, es verließ Kentay Point.
Ich fiel auf die Knie, erhob meine Hände,
Doch mein Blick fiel auf ihre Worte im Sand:
"Vergib mir, ich weiß, ich hätte es dir sagen müssen,
Mein Herz gehört dem Drakkar, niemals einem Mann."
Ich hatte alles verloren, für einen unerfüllten Traum!
Ich würde es gerne vergessen, doch immer noch höre ich ihre Stimme:
"Lebewohl, Liebster, ich bin an einen Drakkar gebunden,
Wir seh'n uns wieder am Kentay Point."
Ich erwachte schreiend, "es gibt keine Hoffnung!"
Und dann erkannte ich, es war nur ein Traum.
Und das schwarze Schiff lag dort vor Anker, schweigend.
Ich starrte es an: es wartete auf mich.
Ich wußte, würde ich gehen, ich würde ihm gehören,
Ohne Chance, je wieder frei zu sein.
So schloß ich die Augen und wünschte, es würde verschwinden,
Das schwarze Schiff vor Kentay Point.
Meine Augen wurden feucht, als ich so dastand.
Nie zuvor hatte ich einen Drakkar gesehen.
Er hatte meinen Verstand gefangen, und dennoch war ich frei,
Hörte sein Lied, und dann war er fort.
----- Übersetzung: A. Kuntze


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